Unterrichtsidee mit Einsatz des Whiteboards zum Thema Kombinatorik

Hallo an alle Mathelehrer da draußen,

ich bin im Moment im Rahmen meiner Zulassungsarbeit zum Thema „Gamification in der Grundschule“ für 2 1/2 Wochen in einer vierten Klasse und gestalte eine Unterrichtseinheit zum Thema Stochastik. Diese Woche hatten wir das Thema Kombinatorik. Angefangen mit dem Kleidungsproblem und Baumdiagrammen („Ich habe 3 T-Shirts, 4 Hosen und 5 Paar Schuhe im Schrank – wie viele Möglichkeiten hab ich?“ und „Ich habe 32 Möglichkeiten mich anzuziehen, was könnte ich für Kleidungsstücke im Schrank haben?“) haben wir uns dann in der Mitte der Woche dem Problem gewidmet, das im Moment wunderbar mit einem Nachspielen des Jahreswechsels darzustellen ist: um Mitternacht wird angestoßen – wie oft klingen bei 4,5,6 Personen die Gläser? Und wie kann man das als Rechnung aufschreiben?
Um dies in der darauffolgenden Stunde noch zu vertiefen, sollten hier erstens die Zahlen größer werden und auch der Anspruch der Aufgaben erweitert werden. In der „Daten, Zufall und Wahrscheinlichkeiten“ – Box vom Westermann Verlag, die zum Vertiefen des Stoffes und Fordern stärkerer Schüler meiner Meinung nach echt super ist, bin ich auf eine Aufgabe gestoßen, in der die Schüler errechnen sollen, wie viele Fotos entstehen, wenn man in einer Klasse jeden mit jedem fotografieren möchte.

Dazu hatte ich 2 Stunden vor Beginn der Unterrichtsstunde spontan eine Idee, wie man in diese Unterrichtsstunde einsteigen könnte, wenn man ein Whiteboard zu Verfügung hat und diese Stunde dann auch als Ersatz für die Silvesterstunde herhalten kann.
In diesem Fall könnte man die erste Aufgabe tatsächlich mit einem Fotoapparat starten. Man erzählt den Schülern von dieser Aufgabe und gibt ihnen in Gruppen von 4-5 Schülern den Auftrag, sich eine gute Organisation zu überlegen, diese Fotos zu schießen, so dass keiner vergessen wird und man einen Überblick darüber behält.
Anschließend werden die Konzepte vorgestellt und nach einer der Methoden auch tatsächlich die Fotos geschossen.

Und hier kommt das Whiteboard ins Spiel.
Hinterher müssen die Fotos natürlich sortiert werden. Daran kann man dann sehr schön sehen, wie man solche Aufgaben auch rechnerisch löst und warum das so funktioniert.
Diesen Vorgang kann man gemeinsam mit den Kindern am Whiteboard machen. Die Fotos erscheinen alle zusammen auf der Wand und man entwickelt gemeinsam mit den Kindern eine Ordnung und kann die Ideen durch hin- und herziehen der Fotos auch direkt umsetzen.
Ist die Fotoanzahl dafür zu hoch bei z.B. 25 Schülern und Schülerinnen, könnte man die Fotos auch in den einzelnen Gruppen umsetzen (idealerweise hat dann jede Gruppe eine andere Schüleranzahl), um am Ende direkt mehrere Beispiele zu haben. Anhand dieser Beispiele bekommen die Schüler dann die Aufgabe, die Rechnung für die gesamte Kasse aufzustellen, ohne, dass der Lehrer noch mal vertieft oder wiederholt, wie genau der rechnerische Prozess funktioniert.

Ohne Whiteboard ist der Sortiervorgang natürlich auch möglich, indem man die Fotos ausgedruckt mit Magneten an die Tafel hängt. Allerdings muss man die Stunde dann mindestens an zwei verschiedenen Tagen machen, da die geschossenen Fotos erstmal ausgedruckt werden müssen, was wiederum mit Kosten verbunden ist.

Da ich zur Zeit kein Whiteboard zur Verfügung habe und meine Möglichkeiten, die Stunde spontan in einer anderen Klasse umzusetzen, beschränkt sind, würde ich mich freuen, wenn einer von euch diese Idee entdeckt und sie auch tatsächlich mal umsetzt. Ich bin gespannt auf Rückmeldungen, ob diese Idee umgesetzt werden kann und die Schüler dadurch motiviert werden, sich hinterher mit diesem Problem auseinanderzusetzen:)

Der ganz normale Wahnsinn…

So, die erste Eastbourne-Reise ist vorbei und wir hatten alle miteinander eine mega geile Zeit. Jetzt ist unser Job als Leader dort ja nicht immer ein Spaziergang mit nächtlichen Hostfamily – Telefonaten oder Krankenhausaufenthalten, chronischer Übermüdung und der ständigen Verantwortung für rund 50 Schüler – pro Leader. Aber das alles ist eigentlich nur nebensächlich, wenn man jedes Mal sieht, was für eine geniale Zeit alle gemeinsam haben, Freundschaften für lange lange Zeit entstehen, sich über Nacht neue Cliquen bilden und man für 3 Wochen 200 strahlende Gesichter um sich hat. Und zusätzlich dürfen wir jeden Tag den wunderbaren Blick aufs Meer und auf den Pier genießen – für mich ist dieser Ort immer mehr so etwas wie mein zweites Zuhause.

Und trotzdem, was mir der Abreisetag dieser Reise geboten hat, muss ich hier einfach mal aufschreiben:

Die Nacht davor saß ich bis halb 2 in der Notaufnahme in Hastings, war demnach erst so gegen 3 im Bett und bin mit 4 Stunden Schlaf in den Tag gestartet – beste Voraussetzung für einen klaren und strukturierten Kopf^^

Und das war der Plan: Ich sollte um 9:45 Uhr mit meinem Bus in Eastbourne los, an Bord 28 Schüler für einen Flug mit British Airways nach Düsseldorf von Terminal 5, 23 Schüler mit German Wings nach Köln/Bonn, 1 Schülerin nach Stuttgart, ebenfalls mit German Wings, und eine Schülerin mit Lufthansa nach Hamburg, immerhin alle von Terminal 1. Dazu kam, dass einer der Schüler nach Köln/Bonn 3 Tage vorher seinen Ausweis verloren hatte und es meine Aufgabe war, ihn nur mit Kopie trotzdem irgendwie in den Flieger zu bekommen und ich die Schülerin nach Stuttgart persönlich bis zum Gate bringen sollte.

So, ansich ja keine Sache der Unmöglichkeit, aber auf der anderen Seite ein Plan, bei dem seeeehr viel schief gehen kann^^.

Und nach 10 Minuten Fahrt ging es auch schon los. Der Busfahrer teilte mir mit, dass irgendwas mit dem Bus nicht so ganz richtig sei und er jetzt mal kurz klären muss, ob wir damit noch bis Heathrow fahren können – was natürlich nicht ging. Er meinte, in 20 Minuten tauschen wir in einer Haltebucht an der Autobahn halt mal den Bus…ist ja auch nichts dabei^^. Dann kam immerhin mal eine gute Nachricht: Der Ausweis war wieder aufgetaucht und schon im Auto auf dem Weg zu uns – dafür war die Bustauschaktion dann doch gut. Bis die Koffer alle umgeladen waren (die waren ja auch nicht extra nach Terminals sortiert…nein), hatten wir dann zum Glück den Ausweis wieder und damit eine Sorge weniger für mich.

Allerdings hatten wir nun leichten Zeitdruck, aber nur leichten. An Terminal 5 die Düsseldorfer inklusive Teacher, der sie eingecheckt hat, rausgeworfen und dann schnell zu Terminal 1. Das Einchecken bei German Wings ging bis auf einen Koffer, aus dem noch 4 Kilo rausgeräumt werden mussten, relativ reibungslos und auch bei Lufthansa mussten wir nicht lange warten…doch wir hatten die Zeit im Nacken. Das Boarding für den Stuttgart Flug fing nämlich genau dann an, als wir uns an der Siko angestellt haben…und dann war das Gate natürlich auch am A….. der Welt – wie könnte es auch anders sein. Aber wir haben es tatsächlich noch geschafft!!!

Alle anderen hatten noch gut ne halbe Stunde bis zum Boarding und dann hatte ich endlich mal 45 Minuten, um durchzuatmen…das alles geklappt hatte, war in dem Moment noch nicht bei mir angekommen…

Dann kam der entspanntere Teil des Tages…der nächste Bus aus Eastbourne hat mir meine Schüler für den Flug nach Frankfurt gebracht. Zusammen chillen, den Flieger rocken (u.a. eine Stewardess mit blinkenden Bunnyohren^^) und in Frankfurt dann der große Abschied…ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr alle wieder!!! Es war eine super schöne Zeit mit euch und obwohl dieser Job echt stressig ist, liebe ich ihn über alles und freu mich schon auf Sonntag, wenn es heißt: Back to Eastbourne again:-)

Ein Weg der Motivation bei Grundschulkindern

Ich vermute mal, alle, die in irgendeiner Form schon mal mit einem Grundschulkind gelernt oder Hausaufgaben gemacht haben, kennen das Problem, dass manchmal einfach die Luft raus ist oder die Kinder ab einem bestimmten Punkt absolut keine Lust mehr haben. Gutes Zureden und Sprüche wie „Es dauert nicht mehr lang, du hast es gleich geschafft!“ oder „Ich bin mir ganz sicher, dass du das kannst!“ prallen dann nur noch ab und machen die Situation eher nur noch schlimmer. Ist ja auch verständlich: bevorstehende Verabredungen mit Freunden, im Sommer das Freibad und allein schon die Spielsachen direkt neben dem Schreibtisch sind viel verlockender als die „blöden“ Hausaufgaben.

Aber – was sein muss, muss sein. Also, was tun, wenn die Motivation ihren absoluten Tiefpunkt erreicht hat?

Vor meinem Studium habe ich mit einem meiner Babysitterkinder über einen längeren Zeitraum hinweg fast jeden Nachmittag die Hausaufgaben gemacht und das kleine 1×1 gelernt. Sie war damals Ende der zweiten Klasse. Jetzt war Mathe nicht unbedingt ihr Lieblingsfach, draußen war es sommerlich warm bis heiß und ihr Kinderzimmer liegt unterm Dach. Denkbar schlechte Bedingungen, wenn am Spielplatz der kalte Bach zur Abkühlung wartet. Aber irgendwie mussten wir da beide durch.

Irgendwann hab ich gemerkt, dass sie anfing, mir absichtlich falsche Ergebnisse zu sagen, in der Hoffnung, dass ich „aufgebe“ und wir erst mal rausgehen. Da hatte ich eine Idee: eines ihrer Kuscheltiere, ein kleines Schaf, war gerade ganz angesagt und musste an diesem Tag auch unbedingt auf dem Schreibtisch sitzen und zuschauen. Ich habe sie gefragt, wie sie es denn finden würde, wenn ich dem Schaf erlaube, ihr die Ergebnisse vorzusagen. Es sei nämlich super gut in Mathe! Ehrlich gesagt konnte ich vorher nicht einschätzen, ob es funktionieren würde. Aber siehe da, ich hatte zwei strahlende Kinderaugen und die Motivation war wieder da. Ab diesem Moment wurde dem Schaf jede Aufgabe laut vorgelesen, dann wurde es ans Ohr gehalten und zack, kamen die Antworten wie aus der Pistole geschossen und kurze Zeit später konnten wir losziehen Richtung Spielplatz:)

Das ging eine ganze Weile gut(natürlich immer nur dann, wenn mal ein Hänger da war oder das Thema einfach noch nicht überzeugt hatte), bis dann eines Tages der Kommentar kam: „Dieses Thema kann das Schaf aber auch nicht…!“ Ja, Kinder sind sehr kreativ, vor allem bei Ausreden. Aber ich hatte noch ein Ass im Ärmel. Das Schaf war ja nur zwischenzeitig mal „in“ gewesen – jetzt hat ja, wie wir alle (geh ich mal stark von aus) auch hatten, jedes Kind aber ein oder zwei Kuscheltiere, die einfach immer wichtig und unersetzbar sind. Und genau die können alles!!!

Da ging auch das neue, bis jetzt noch blöde Thema wie von Zauberhand auf einmal relativ flüssig und war gar nicht mehr so schlimm.:)

Doch kam da noch das Problem der Klassenarbeit. Dieses Tier war definitiv zu groß für den Schulranzen, aber ich wusste, dass genau das gleiche Kuscheltier auch noch in klein im Kinderzimmer vorhanden war. Nach Absprache mit der Mutter habe ich den Vorschlag gemacht, dass der Kleine am Tag der Klassenarbeit ganz unten im Ranzen mitdarf und da er kleiner ist auch noch leiser, aber weiter flüstern kann – nämlich aus dem Ranzen heraus bis hoch zu ihr. Der Tag der Arbeit kam, und sie war wesentlich entspannter als sonst durch unser kleines Geheimnis. Das war schon echt ein großer Erfolg. Aber der größte Erfolg war ein paar Tage später die Note, die sehr viel besser war als erwartet!

In wie weit ihr damals bewusst war, dass die Lösungen und Überlegungen alle von ihr selber kamen, weiß ich nicht genau und denke, dass das auch nicht so wichtig war. Wichtig war, dass beim Bearbeiten der Mathehausaufgaben strahlende Kinderaugen und von jetzt auf gleich immer wieder riesige Motivationsschübe auf der Tagesordnung standen und es uns beiden Spaß gemacht hat!

Jetzt ist mir diese Geschichte letztens wieder eingefallen und ich hatte folgende Idee: An vielen Grundschulen ist es so üblich, dass jede Klasse ein Klassentier hat. Das Plakat vor der Tür ist damit gestaltet, im Unterricht taucht es als Sticker oder Stempel auf und ist natürlich auch in jedem Klassenraum als Kuscheltier vertreten. Und könnte man nicht genau diese Kuscheltiere auch als Flüsterhilfe einsetzen? Wenn ich als Lehrerin merke, dass einer meiner Schüler einen super schlechten Tag hat oder mit einem bestimmten Thema absolut nicht warm wird, könnte ich ihm für diese Stunde oder diesen Tag anbieten,  einen kleinen Helfer zur Seite stellen, der flüsternd bei den Aufgaben hilft. Das darf natürlich nur das Klassentier, denn nur das kann so leise flüstern, dass es niemandem sonst die Lösung verrät.

Jetzt meine Fragen an euch: Glaubt ihr, dass das sinnvoll und hilfreich sein könnte? Hat es sogar schon mal jemand ausprobiert? Und bis zu welchem Alter kann das funktionieren? Ich bin gespannt auf Kommentare!!!

Keek

Kennt ihr das auch? Man hat einen tollen Gedanken oder eine super Idee und will diesen/diese unbedingt seinen Freunden, Followern und allen, die es interessieren könnte, mitteilen. Bei kleineren Ideen reicht da noch ein Tweet oder eine Statusnachricht bei Facebook. Ist das Ganze aber etwas umfangreicher, schreibt man daraus lieber einen Blogbeitrag und twittert oder postet den. Dort hat man viel mehr Möglichkeiten und vor allem mehr Platz. Was braucht man aber, um einen guten und anregenden Artikel zu schreiben? Richtig – viel Zeit. Und die ist bei den meisten von uns Mangelware. Ich kann mir vorstellen, dass dadurch ziemliche viele Ideen und Gedanken verloren gehen oder jemand anderes auf die gleiche oder eine ähnliche Erkenntnis kommt und gerade Zeit hat…

Vor ca. 1 ½ Wochen bin ich bei einem Tweet der amerikanischen Schauspielerin Candance Cameron Bure (Rolle der DJ Tanner in der US-Serie Full House aus den 80er und 90er Jahren – ich liebe diese Serie!!!) auf einen Link gestoßen, der mich zu Keek führte. Erst mal die App (iPhone, Android) installieren, dann ihren Keek schauen. Die sogenannten Keeks sind Kurzvideos, die maximal 36 Sekunden dauern und die man mit dem Handy oder mit der Webcam aufnehmen kann. In meinem ersten Keek, den ich so geschaut habe, hat @candancecbure ihren Followern gezeigt und erklärt, wie sie ihre Drehbücher lernt. Daraufhin habe ich mir noch andere Keeks von ihr und auch von ihrer Tochter angeschaut und fand das Format echt ganz cool.

Doch was bringt es mir, wenn es außer mir keiner kennt? Den Link zu Keek.com habe ich direkt mal getwittert und siehe da – letzen Freitagmorgen schon war der erste Link auf Twitter zu finden. Christian Spannagel alias @dunkelmunkel auf dem Weg nach Hamburg zum EduCamp – natürlich mit dem Hashtag #echh13, damit alle EduCamper direkt mitbekommen, dass es ein neues „Spielzeug“ im Bereich der Ideenverbreitung gibt. Denn wo macht so etwas mehr Sinn als im Camp selbst? Unsere „Mission“ für dieses Wochenende war also: so vielen Menschen wie möglich Keek schmackhaft machen. Schließlich braucht es ja nicht nur Zeit, um einen Blogbeitrag zu schreiben, sondern auch Zeit, die der anderen zu lesen. Wenn durch Keek nun einige Blogartikel durch kurze Videos eingetauscht werden oder neue Beiträge durch Keeks angekündigt werden, hat man dadurch die Möglichkeit, noch viel mehr Ideen und Einfälle der anderen mitzubekommen, mitzuentwickeln und auch weiter zu verbreiten. Also für alle ein Gewinn.

Und siehe da, es hat funktioniert: hat man vor 2 Wochen noch bei Keek nach Menschen gesucht, die, in unseren Augen, sinnvolle Inhalte keeken, war die Suche ziemlich erfolgslos. Im Laufe des letzten Wochenendes sind schon ein paar dazugekommen (Keek von Jöran Muuß-Merholz alias @jmm_hamburg) und im Laufe dieser Woche konnte man bei Twitter jeden Tag neue Keeks entdecken, mit Inhalten wie OER, digitale Medien im Unterricht, Hörsaalspiele oder Abiklausuren. Das ist doch mal ein guter Anfang.

Also: wenn ihr eine Idee habt, wo ihr denkt, eigentlich müsste ich darüber dringend etwas in meinem Blog schreiben, die Zeit dazu aber absolut nicht da ist – einfach euer Handy oder Tablet oder den PC nehmen und keeken.

So, jetzt seid ihr dran! Ich bin auf eure Kommentare und natürlich Keeks gespannt:-)

Hörsaalspiele

Eckenrechnen, Abtauchen, Galgenmännchen und Teekesselchen…in der Grundschule kennt jeder diese Spiele. Mal eine kurze Auflockerung zwischendurch, damit alle wieder in Schwung und die Motivation wieder in Gang kommt. Nur warum hören diese Spiele spätestens in der siebten Klasse auf? Freuen wir uns nicht alle, „zwischendurch“ mal ein Spiel spielen zu dürfen?

Doch wenn man mal überlegt, wie man beispielsweise im Hörsaal mit 100 Studenten oder mehr mal eine kurze Auflockerung gestalten könnte, steht man vor einer ganz schönen Herausforderung! Das Hörsaalspiel soll ja nicht nur Spaß machen und alle wieder „aufwecken“, sondern auch inhaltlich noch sinnvoll und stoffvertiefend sein.

Letztes Wintersemester 2012/13 sind die Teilnehmer der Veranstaltung Mathematischen Grundlagen I bei Christian Spannagel alias @dunkelmunkel an der PH in Heidelberg schon in den Genuss gekommen, solch ein Hörsaalspiel zur Übung der Primfaktorzerlegung spielen zu dürfen. Die Kommilitonen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, waren begeistert. Der Vorgang war der folgende: Der Hörsaal wird in zwei Teile geteilt, Christian Spannagel nennt eine Zahl und alle versuchen so schnell wie möglich, OHNE technische Hilfe deren Primfaktorzerlegung zu bilden. Die Gruppe, aus der als Erstes die richtige Lösung erklingt, bekommt einen Punkt. Eigentlich ganz simpel – nur will man ja nicht immer das Gleiche spielen. Also muss die nächste Idee her, doch das ist gar nicht so einfach wie man vielleicht denkt.

Doch es gibt einen perfekten Ort, um über genauso ein Thema zu brainstormen – und das ist? Richtig, das EduCamp! Letztes Wochenende besuchte ich mit einem Teil der Playgroup Heidelberg das EduCamp 2013 in Hamburg. Dort gab es bei Christian eine Session zum Thema, ihr werdet es nicht glauben, Hörsaalspiele. Zum Start haben wir gemeinsam überlegt, welche Elemente es überhaupt für Spiele gibt, um Inspiration für die Spielideen später zu bekommen. Die Liste ist ganz schön lang geworden: Wettbewerb, Kooperation, Zufall, Wahlfreiheit und Entscheidung, fachspezifische Spielelemente, Geschicklichkeit, Regeln, Belohnung, Narration, Überraschung, Spaß, Kreativität, Herausforderung, Ressourcenbeschränkung und Motivation. Sicher gibt es da noch viele mehr, wenn ihr noch Ideen habt, immer her damit:-)

Das war schon mal eine gute Grundlage für das eigentliche Brainstorming – und die Menge an Ideen, die da zusammengekommen ist, ist der Hammer!

Von „Hörsaalbingo“ und „Einer gegen 100“ über „Reihenrotation“ und „Tabu mal anders rum“ bis hin zu „Wer wird Millionär“– der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.

Die nächste Herausforderung war und ist es nun, aus dieser Vielzahl von guten Anregungen effektive und unkompliziert umsetzbare Hörsaalspiele zu entwickeln. Und wo geht so etwas besser, als auf einer 6-Stunden-Zugrückfahrt vom EduCamp nach Heidelberg? Die ersten auszuprobierenden Spiele sind diese hier:

Reihenrotation
Diese Idee war im Brainstorming abgeleitet vom allseits bekannten Eckenrechnen. Nur nutzt man hier den klassischen Aufbau eines Hörsaals und spielt in den Reihen. Die Studenten packen ihre Sachen ein und verteilen sich gleichmäßig auf die Reihen am rechten Rand, sodass in jeder Reihe 5-6 (das ist natürlich variabel) Studierende sitzen. Jetzt kommt der Dozent ins Spiel und stellt eine Frage oder Aufgabe, in unserem Fall eine zum Kopfrechnen. Antworten darf nur, wer ganz am Rand sitzt. Der oder die Schnellste darf nicht wie beim Eckenrechnen eine Ecke weiter gehen, sondern geht außen rum wieder in die eigene Reihe und alle rutschen eins auf. Die Reihe, die zuerst wieder in der Ausgangsposition ist, hat gewonnen. Eigentlich ganz simpel, aber sehr effektiv.

Bingo
Jetzt wird es mathematisch – wir gehen in das Thema „andere Stellenwertsysteme“. Jeder Studierende im Hörsaal schreibt sich 3*3 Zahlen zwischen 1 und 100 auf. Der Dozent nennt jetzt eine Zahl in einem anderen Stellenwertsystem, zum Beispiel [111] im Achtersystem. Dort haben wir nicht mehr 1er, 10er, 100er, sondern 1er, 8er und 64er. Demnach ist [111] im Achtersystem umgerechnet ins Dezimalsystem die Zahl 73. Die Studierenden müssen also, um eine Bingoreihe voll zu bekommen, fit im Thema und ebenfalls wieder im Kopfrechnen sein. Und wer als erstes eine Reihe voll hat, ruft „Bingo“.

Wer wird Millionär?
Auch dieses Format ist wunderbar in einem Hörsaal umzusetzen. Die Überlegung ist folgende: Man teilt den Hörsaal in vier Gruppen, hat zehn Folien mit jeweils einer Frage, in unserem Fall eine logische Aussage, und vier Antwortmöglichkeiten, passend dazu vier andere Aussagen, von denen eine äquivalent zur Ausgangsaussage ist. Nun müssen die Studenten herausfinden, welche dies ist. Dazu bekommen sie vorher zwei Lösungsverfahren an die Hand. Zum einen Wahrheitstabellen und zum anderen Äquivalenzumformungen. Hier kommt noch eine didaktische Komponente hinzu – die Studierenden sollen im Laufe des Spiels merken, dass die Äquivalenzumformungen die schnellere und effektivere Variante ist. Wer zuerst die Lösung hat, oder glaubt zu wissen, ruft das Ergebnis rein und wenn es stimmt, bekommt die Gruppe einen Punkt. Nach den 10 Runden hat die Gruppe mit den meisten Punkten gewonnen.
Alternativ kann man die Runden auch ohne das Reinrufen der Lösung spielen. Dann gibt es pro Folie eine bestimmte Zeitvorgabe und die Lösungen werden erst mal nicht genannt. Jeder hat am Ende des Spiels zehn Antworten untereinander stehen, die dann mit der Musterlösung auf der letzten Folie verglichen werden. Wer hat die „Millionen“ geknackt? Die Gruppe mit den meisten „Millionären“ gewinnt das Spiel.

Wie man sieht, kann eine Zugfahrt quer durch Deutschland richtig produktiv genutzt werden – nur was ist eine Spielidee ohne die Umsetzung?

Diese folgte heute Morgen in der Vorlesung „Mathematische Grundlagen I“ des neuen Semesters bei Christian Spannagel und ich war echt gespannt, wie es funktioniert und natürlich auch bei den Studenten ankommt. (Da auf dem EduCamp das Keek-Fieber um sich gegriffen hat, hier gleich schon mal ein Beispiel dafür, natürlich passend zum Thema.) Und es war ein voller Erfolg: zum Abschluss der ersten Sitzung haben die Reihen rotiert – und die Köpfe geraucht. Ja, Kopfrechnen rostet mit der Zeit ganz schön ein. Ein Tipp von Dunkelmunkel dazu war, sich einen Mathewecker auf dem Handy zu installieren (z.B. Wecker Extreme für Android). Der lässt sich nämlich nur ausschalten, wenn man ihm seine Kopfrechenaufgaben richtig löst, damit er ganz sicher ist, dass man auch wirklich wach ist.

Eine Schwachstelle hatte die Planung des Spieles allerdings noch. In manchen Reihen wurde vorgesagt. Das hat uns auf folgende Idee gebracht: Wir verbinden die Reihenrotation einfach mit stiller Post und automatisch wird aus dem „illegalen“ Vorsagen ein Vorsagen, welches erstens dazu führt, dass wirklich alle mitrechnen und zweitens auch dafür sorgt, dass die einzelnen Reihen sich mehr als Spielteam fühlen. Man muss jetzt schließlich zusammen arbeiten.

Ich bin gespannt, wie die Umsetzung der anderen Spiele und natürlich die Reihenrotation 2.0 in dieser und natürlich auch anderen Vorlesungen funktionieren wird und freue mich total drauf, live dabei zu sein.

Jetzt seid ihr gefragt! Wenn ihr inspiriert durch die Mindmap oben oder durch eigene Erfahrungen und Vorwissen auch noch Ideen oder Anregungen für weitere Hörsaalspiele habt – immer her damit:-) Ich freu mich auf eure Kommentare!!!