Ein Weg der Motivation bei Grundschulkindern

Ich vermute mal, alle, die in irgendeiner Form schon mal mit einem Grundschulkind gelernt oder Hausaufgaben gemacht haben, kennen das Problem, dass manchmal einfach die Luft raus ist oder die Kinder ab einem bestimmten Punkt absolut keine Lust mehr haben. Gutes Zureden und Sprüche wie „Es dauert nicht mehr lang, du hast es gleich geschafft!“ oder „Ich bin mir ganz sicher, dass du das kannst!“ prallen dann nur noch ab und machen die Situation eher nur noch schlimmer. Ist ja auch verständlich: bevorstehende Verabredungen mit Freunden, im Sommer das Freibad und allein schon die Spielsachen direkt neben dem Schreibtisch sind viel verlockender als die „blöden“ Hausaufgaben.

Aber – was sein muss, muss sein. Also, was tun, wenn die Motivation ihren absoluten Tiefpunkt erreicht hat?

Vor meinem Studium habe ich mit einem meiner Babysitterkinder über einen längeren Zeitraum hinweg fast jeden Nachmittag die Hausaufgaben gemacht und das kleine 1×1 gelernt. Sie war damals Ende der zweiten Klasse. Jetzt war Mathe nicht unbedingt ihr Lieblingsfach, draußen war es sommerlich warm bis heiß und ihr Kinderzimmer liegt unterm Dach. Denkbar schlechte Bedingungen, wenn am Spielplatz der kalte Bach zur Abkühlung wartet. Aber irgendwie mussten wir da beide durch.

Irgendwann hab ich gemerkt, dass sie anfing, mir absichtlich falsche Ergebnisse zu sagen, in der Hoffnung, dass ich „aufgebe“ und wir erst mal rausgehen. Da hatte ich eine Idee: eines ihrer Kuscheltiere, ein kleines Schaf, war gerade ganz angesagt und musste an diesem Tag auch unbedingt auf dem Schreibtisch sitzen und zuschauen. Ich habe sie gefragt, wie sie es denn finden würde, wenn ich dem Schaf erlaube, ihr die Ergebnisse vorzusagen. Es sei nämlich super gut in Mathe! Ehrlich gesagt konnte ich vorher nicht einschätzen, ob es funktionieren würde. Aber siehe da, ich hatte zwei strahlende Kinderaugen und die Motivation war wieder da. Ab diesem Moment wurde dem Schaf jede Aufgabe laut vorgelesen, dann wurde es ans Ohr gehalten und zack, kamen die Antworten wie aus der Pistole geschossen und kurze Zeit später konnten wir losziehen Richtung Spielplatz 🙂

Das ging eine ganze Weile gut(natürlich immer nur dann, wenn mal ein Hänger da war oder das Thema einfach noch nicht überzeugt hatte), bis dann eines Tages der Kommentar kam: „Dieses Thema kann das Schaf aber auch nicht…!“ Ja, Kinder sind sehr kreativ, vor allem bei Ausreden. Aber ich hatte noch ein Ass im Ärmel. Das Schaf war ja nur zwischenzeitig mal „in“ gewesen – jetzt hat ja, wie wir alle (geh ich mal stark von aus) auch hatten, jedes Kind aber ein oder zwei Kuscheltiere, die einfach immer wichtig und unersetzbar sind. Und genau die können alles!!!

Da ging auch das neue, bis jetzt noch blöde Thema wie von Zauberhand auf einmal relativ flüssig und war gar nicht mehr so schlimm. 🙂

Doch kam da noch das Problem der Klassenarbeit. Dieses Tier war definitiv zu groß für den Schulranzen, aber ich wusste, dass genau das gleiche Kuscheltier auch noch in klein im Kinderzimmer vorhanden war. Nach Absprache mit der Mutter habe ich den Vorschlag gemacht, dass der Kleine am Tag der Klassenarbeit ganz unten im Ranzen mitdarf und da er kleiner ist auch noch leiser, aber weiter flüstern kann – nämlich aus dem Ranzen heraus bis hoch zu ihr. Der Tag der Arbeit kam, und sie war wesentlich entspannter als sonst durch unser kleines Geheimnis. Das war schon echt ein großer Erfolg. Aber der größte Erfolg war ein paar Tage später die Note, die sehr viel besser war als erwartet!

In wie weit ihr damals bewusst war, dass die Lösungen und Überlegungen alle von ihr selber kamen, weiß ich nicht genau und denke, dass das auch nicht so wichtig war. Wichtig war, dass beim Bearbeiten der Mathehausaufgaben strahlende Kinderaugen und von jetzt auf gleich immer wieder riesige Motivationsschübe auf der Tagesordnung standen und es uns beiden Spaß gemacht hat!

Jetzt ist mir diese Geschichte letztens wieder eingefallen und ich hatte folgende Idee: An vielen Grundschulen ist es so üblich, dass jede Klasse ein Klassentier hat. Das Plakat vor der Tür ist damit gestaltet, im Unterricht taucht es als Sticker oder Stempel auf und ist natürlich auch in jedem Klassenraum als Kuscheltier vertreten. Und könnte man nicht genau diese Kuscheltiere auch als Flüsterhilfe einsetzen? Wenn ich als Lehrerin merke, dass einer meiner Schüler einen super schlechten Tag hat oder mit einem bestimmten Thema absolut nicht warm wird, könnte ich ihm für diese Stunde oder diesen Tag anbieten,  einen kleinen Helfer zur Seite stellen, der flüsternd bei den Aufgaben hilft. Das darf natürlich nur das Klassentier, denn nur das kann so leise flüstern, dass es niemandem sonst die Lösung verrät.

Jetzt meine Fragen an euch: Glaubt ihr, dass das sinnvoll und hilfreich sein könnte? Hat es sogar schon mal jemand ausprobiert? Und bis zu welchem Alter kann das funktionieren? Ich bin gespannt auf Kommentare!!!

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2 Kommentare zu “Ein Weg der Motivation bei Grundschulkindern

  1. dunkelmunkel sagt:

    Das ist wirklich eine witzige Idee: Kuscheltiere flüstern die Lösung vor, und eigentlich kommts von den Kindern selbst. Welch ein genialer Trick! 🙂

  2. sperling76 sagt:

    Tolle Idee! Das muß ich mal bei unserem Kleinen (2. Klasse) ausprobieren, der rechnet nämlich auch nicht gerne.
    Viele Grüße
    Sperling

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